Das war der ELCH 2016

Die E-Learning Champions 2016 wurden am 1. Dezember im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung ausgezeichnet.

Der ELCH 2016 ging an Carole Bourgadel mit ihrer Einreichung „Online-Videokurs für Französisch Sowi Grundstufe 1 und 2“.

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Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos

Der Online Videokurs für Französisch Sowi Grundstufe 1 und 2 richtet sich an Studierende ohne Vorkenntnisse der französischen Sprache. Gerade am Beginn einer Sprachlernerfahrung bedarf es zahlreicher Erklärungen auf unterschiedlicher Ebene, um die Lernerinnen und Lerner langsam in die Materie einzuführen und nachhaltig für den Sprachlernprozess zu begeistern. Selbstproduzierte Videos können die Vermittlung des Stoffes erleichtern und anreichern sowie einen studierendenzentrierten Unterricht ermöglichen. Aus diesem Grund hat Carole Bourgadel Mitschnitte aller Kurseinheiten im Lehrraum sowie zusätzliche Erläuterungen in Form von zirka fünfminütigen Videoclips aus den Bereichen Grammatik, Konjugation und Phonetik erstellt. Sie sollen die Lernenden dabei unterstützen, nach ihrem eigenen Rhythmus und ihren eigenen Bedürfnissen zu lernen.

Gerade in sprachlichen Grundkursen herrscht oft eine große Heterogenität in der Gruppen-zusammensetzung, die auf eine am Beginn scheinbar unbewältigbar scheinende Stoffmasse trifft: Studierende mit und ohne Vorkenntnisse sitzen im selben Lernraum und haben spezifische Erwartungen an den Sprachkurs. Binnendifferenzierung und Zielgruppenfokussierung sind ebenso notwendig wie das Bereitstellen von Materialien für unterschiedliche Niveaus. Um die Lernerinnen und Lerner mit der großen Stoffmenge nicht zu überfordern und damit die Motivation zu beeinträchtigen, ist es sinnvoll, den Stoff in kleine Häppchen aufzuteilen und so aufzubereiten, dass sie mehrfach und nachhaltig wiederholt werden können.

Diesen Brückenschlag schafft Carole Bourgadel in einem besonderen Maße durch ihr ausgereiftes didaktisches Konzept. Die Videos sind keine Einzelangebote, sondern sind über ein didaktisches Setting in die Lehrveranstaltung, der ein Moodle-Kurs zugrunde liegt,  einge-baut. Die Studierenden sehen sich Videos an, erledigen dazu Übungen und arbeiten Regeln aus. Der Lernerfolg ist nachhaltig und man kann sich, gemäß der Flipped Classroom-Idee, im Unterricht auf Fragen konzentrieren. Die Instruktion erfolgt zuhause, die Konstruktion erfolgt im Unterrichtsraum. Zusätzlich, und das betont die Lehrende auch, lernen die Studierenden, nach ihrem eigenen Rhythmus und selbstständig zu lernen, und erweitern gleichzeitig ihre Medienkompetenz quasi nebenbei. Durch die Kürze der Videos können die Studierenden die Inhalte auch auf mobilen Geräten konsumieren. Lernen erfolgt ubiquitär, motivierend und individuell.

Für dieses ausgereifte Konzept und dessen Umsetzung wird Carole Bourgadel mit dem E-Learning Champion 2016 ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!

 

Einen FÖRDERPREIS erhielt Nadja Thoma mit ihrer Einreichung „Forschungsvideos als innovative Wissensproduktionsprozesse in der Lehre“.

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Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos

Bei dem Einsatz von Videos in der Lehre steht derzeit vor allem die Wissensvermittlung im Vordergrund. Studierenden ist es dadurch möglich, zeit- und ortsunabhängig zu lernen, Lehrende können ihre Lehre so um das Wissen zusätzlicher Expertinnen und Experten anreichern. Dieser Einsatz von Videos findet sich auch im Lehrveranstaltungskonzept „Forschungsvideos als innovative Wissensproduktionsprozesse in der Lehre“ von Nadja Thoma. Für Frau Thoma ist damit aber nur die erste Stufe dessen erreicht, wie Videos in der Lehre verwendet werden können.

Ihr Konzept basiert auf der Verknüpfung von Wissensvermittlung und Wissensgenerierung, im Zentrum steht das erkenntnisgenerierende Schreiben. Schreiben wird dabei als ein universelles Lerninstrument verstanden, also als ein Mittel zum Denken, Vertiefen, Diskutieren, Erkennen und Dokumentieren. Um bei Studierenden nun eine noch tiefere inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Seminarthema zu erreichen, sieht das Konzept vor, Schreibprozesse – zumindest teilweise – durch die Produktion von Videos zu ersetzen.

Nachdem also in der ersten Konzeptphase Videos als Unterstützung zur Vermittlung des Se-minarthemas verwendet werden, sollen Studierende in der zweiten Phase anhand einer eigenen Forschungsfrage deren Ausarbeitung in Form eines Forschungsvideos konzipieren. Dies erfolgt in einem mehrstufigen, didaktisch durchdachten Prozess, der regelmäßige Feedbacks einschließt. In der dritten und letzten Konzeptphase bekommen die Studierenden die Möglichkeit, ihre Ergebnisse entweder als Video oder in schriftlicher Form zu dokumentieren. Videos werden somit nicht nur zur Wissensvermittlung, sondern als Instrument der Wissensgenerierung eingesetzt, was in Hinblick auf die forschungsgeleitete Lehre einen erheblichen Mehrwert mit sich bringt.

Nadja Thoma hat das eingereichte Konzept eigens für den ELCH 2016 erarbeitet, das Setting wird derzeit erstmals in der Lehrveranstaltung „Weitere Spezialgebiete der Schulpädagogik (Sprachliche Heterogenität in der Schule)“ erprobt. Verbunden mit der Empfehlung, das Preisgeld zur Dokumentation der Ergebnisse und/oder zur Weiterentwicklung des Konzeptes einzusetzen, erhält Nadja Thoma für ihre außergewöhnlich innovative Weiterentwicklung der Einsatzszenarien von Videos in der Lehre einen ELCH-Förderpreis in der Höhe von 2.000 Euro. Herzlichen Glückwunsch!

 

Über den  ANERKENNUNGSPREIS  durften sich Julia Jagersbacher-Baumann und Andrea Lienhard mit ihrer  Einreichung „Videounterstütztes Sezieren von Ratten im „Zoologischen Proseminar“ freuen.

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Foto: Uni Graz/Tzivanopoulos

Das Zoologische Proseminar ist eine Basislehrveranstaltung für Studierende der Bakkalaureatsstudien Biologie und Molekularbiologie, in der verschiedene Aspekte der Physiologie und Morphologie von Wirbeltieren behandelt werden. Unter anderem wird die Anatomie von Säugetieren am Beispiel der Ratte vermittelt. Studierende präparieren selbst Ratten und fertigen Zeichnungen der gesehenen Organe an – es handelt sich also um ein typisches „Sezierseminar“. Für gewöhnlich werden in derartigen Seminaren die Tiere von den Lehrenden vorpräpariert, um den Studierenden die jeweiligen Präparationsschritte zu zeigen.

Julia Jagersberger-Baumann und ihre Kollegin Andrea Lienhard haben sich jedoch dazu entschieden, hier durch den Einsatz von Videos einen Schritt weiter zu gehen.

Alle Präparationsschritte der Sektion einer Ratte werden im Zoologischen Proseminar nun mit Hilfe von Videos vorgeführt. Dazu haben Julia Jagersberger-Baumann und Andrea Lienhard die einzelnen Schritte der Sektion in kurzen Videosequenzen dargestellt. Die Videos werden im Proseminar gezeigt und durch mündliche Erläuterungen und theoretische Hintergrundinformationen ergänzt. Nach dem Studium der Videos können die Studierenden die Sektion der Ratte Schritt für Schritt durchführen und das Gesehene unmittelbar praktisch anwenden.

Der Einsatz von Videos ist in diesem Lernsetting in vielerlei Hinsicht zweckmäßig und sinn-voll: Die Videos können bei Bedarf immer wieder gezeigt werden und sind auch aus ethischer und finanziellen Sicht positiv zu bewerten. Mit ihrem multidimensionalen und praxis-orientierten Kurskonzept zeigen Julia Jagersbacher-Baumann und Andrea Lienhard, wie Videos als innovative Lernmedien im Unterricht nachhaltig eingesetzt werden können. Mit der Möglichkeit, sich die Videos wiederholt anzusehen, ist es gelungen, schwierige Präparationsschritte und Unklarheiten im Vorfeld der praktischen Umsetzung zu klären. Die Studierenden entscheiden selbst, welche Passagen sie wiederholen und welche sie überspringen möchten. Es wäre in diesem Zusammenhang durchaus auch erstrebenswert, die Videos auch außerhalb des Seminars einem interessierten Personenkreis zugänglich zu machen.

Julia Jagersbacher-Baumann und Andrea Lienhard werden für dieses nachhaltige und innovative Lernkonzept mit dem ELCH-Anerkennungspreis 2016 ausgezeichnet. Herzlichen Glückwunsch!